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Eure Sophie von PsychInfos

Depression bei Männern – „Ich bin doch kein Weichei!“

Photo by Nathan Cowley on Pexels.com

Ein Thema, welches sehr wichtig ist zu betrachten, vor allem unter dem Aspekt der häufiger auftretenden vollendeten Suiziden bei Männern. Insgesamt zählen Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Die WHO (World Health Organization) schätzt die Zahl der Menschen mit Depressionen in Deutschland auf 4,1 Millionen. Daher wird auch von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe völlig zurecht von einer Volkskrankheit gesprochen. Die Dunkelziffer, so wird vermutet, ist allerdings noch weit höher. Depressionen sind die häufigste Ursache für einen Selbstmord, vor allem bei jüngeren Menschen.

Laut dem statistischen Bundesamt nehmen Männer sich deutlich häufiger das Leben als Frauen. Ca. 76% der Suizide wurden von Männern begangen.

Ein Problem sehe ich darin, dass bei Männern jedoch eine Depression seltener erkannt und behandelt wird, da sie sich häufig auch symptomatisch anders darstellen kann, als es bei Frauen der Fall ist. Daher möchte ich in diesem Beitrag gerne etwas genauer die Symptomatik einer ‚männlichen‘ Depression herausstellen, um dafür zu sensibilisieren.

Mögliche Symptome einer Depression bei Männern sind …

  • ausgeprägtes Leistungsdenken und damit einhergehende ‚Fluchten‘ in z.B. Arbeit oder Sport
  • erhöhte Reizbarkeit und aufbrausendes Verhalten
  • Aggression und Wutanfälle
  • Neigung zu Vorwürfen und nachtragendem Verhalten
  • erhöhte Risikobereitschaft (z.B. im Sport und/oder Straßenverkehr)
  • Schlafstörungen
  • vermehrter Alkohol- und Nikotinmissbrauch
  • Suizidgedanken

„Eine depressive Störung zuzugeben oder Hilfe zu suchen, bedeutet im traditionellen Männlichkeitsskript noch immer Status-, Männlichkeits- und Identitätsverlust“ (ÄrzteZeitung, 2018). Das erklärt auch die häufig auftretende Flucht in die Arbeit, den Sport oder auch den Alkohol, um den wahrgenommenen (häufig unbewussten) Verlust von sogenannter „Männlichkeit“ zu kompensieren. Trotz zunehmender Antriebslosigkeit versucht man, seine Aufgaben trotzdem weiter zu erfüllen, auch wenn dies einem immer schwerer fällt und immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Auch daraus kann sich ein Teufelskreis aus Überbeanspruchung und damit zusätzlichem Stress ergeben. Dies ist den Betroffenen oft nicht bewusst, doch viele gestehen sich nicht ein, dass sie erschöpft, traurig und teilweise ausgebrannt sind. Denn das passt einfach nicht in das traditionelle gesellschaftlichen Männerbild. Und das ist gefährlich!

Alle Menschen sollten dafür sensibilisiert werden, dass Depressionen sicher auch bei Männern genauso oft vorkommen wie bei Frauen, nur dass diese meist noch größere Probleme haben dies zu äußern („Ich bin doch kein Weichei!“) oder sie aufgrund anderer auftretender Symptomatik, wie z.B. vermehrtem Alkoholkonsum häufig auch als „Suchterkrankung“ diagnostiziert wird, hinter der jedoch häufig eine Depression liegen kann. Das Problem dabei ist dann, dass die Suchterkrankung beispielsweise symptomatisch behandelt wird, jedoch Rückfälle wahrscheinlich sind, da das dahinterliegende ursprüngliche ‚Problem‘ gar nicht erst erkannt wird.

Auch wenn andere Symptomatiken zu stark werden, z.B. Schlaflosigkeit, gehen Männer vielleicht zum Arzt, jedoch wird auch hier dann häufig nur symptomatisch behandelt. Daher ist es auch wichtig, dass durch regelmäßige Arztfortbildungen und eine entsprechende Sensibilisierung Fachpersonal entsprechend geschult wird.

Und nein Männer, ihr seid keine „Weicheier“ oder „Sensibelchen“, wenn ihr äußert, dass ihr energie- und kraftlos seid und Ängste und Niedergestimmtheit oder sogar Suizidgedanken mit euch herumtragt! Ganz im Gegenteil, so sehe ich das und ich hoffe auch viele andere Menschen, als unheimliche Stärke an, sich das einzugestehen und dies vertrauten Personen gegenüber zu äußern. Traut euch zu sagen, was ihr fühlt und fühlt euch bitte nicht in eurer ‚Männlichkeit‘ angegriffen, wenn Menschen in eurem Umfeld sich um euch sorgen. Das tun sie, weil sie euch lieben und euch nicht verlieren möchten! Und nicht, um euch eurer ‚Männlichkeit‘ zu berauben!

Eure Sophie von PsychInfos

Quellen:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/Tabellen/suizide.html

Wüstel, Jens-Michael, Männliche Depression, 2018, Beltz-Verlag