Wie du Menschen in einer depressiven Phase unterstützen kannst

Manchmal handelt es sich bei den Betroffenen um die eigene Partnerin oder den Partner, andere Familienangehörige, Freunde, Arbeitskollegen .. es ist schön und wichtig als Angehöriger zu wissen, wie man die Menschen in einer depressiven Phase unterstützen kann.

Wie genau kannst du Menschen in einer depressiven Phase bestmöglich begleiten und unterstützen? Dies sind vorerst nur ein paar Ideen, die dem Betroffenen eventuell helfen könnten und ihm das Gefühl geben, auch an den dunkleren Tagen genauso wertvoll und wichtig zu sein!

  • Informiere dich über die Krankheit
  • Biete dem Betroffenen einen ’sicheren Ort‘, in welchem der Betroffene sich nicht verstellen muss
  • Biete an etwas gemeinsam zu machen – sei es ein Spaziergang, oder einen Film oder die Lieblingsserie anzuschauen oder, oder ..
  • Akzeptiere es, wenn derjenige etwas Raum für sich benötigt und alleine sein möchte und nimm es ihm/ihr nicht übel
  • Erinnere daran, dass du für sie oder ihn da bist, und dass ihr das gemeinsam durchsteht
  • Sag der Person, dass sie keine Belastung oder „Zumutung“ ist und dass dir die Person auch an den ‚dunkleren‘ Tagen genauso viel bedeutet, wie sonst auch
  • Biete physische Nähe an, wenn sie gewünscht ist (eine Umarmung, einen Kuss, eine Massage, etc.)
  • Erinnere Sie an ihre innere Stärke und daran, was Sie bereits alles geschafft haben
  • Vergiss dich selbst nicht und sorge auch gut für dich!!

Mein nächster Beitrag wird sich damit beschäftigen, was du konkret tun kannst, wenn ein Freund oder Angehöriger mit Suizidgedanken zu kämpfen hat und konkrete Suizidwünsche äußert und wie du dich da verhalten kannst!

Wenn du Fragen oder Anmerkungen zum jetzigen Beitrag dazu hast, kannst du gerne Kontakt zu mir aufnehmen oder hier unter dem Beitrag einen Kommentar hinterlassen.

Ich freue mich über den Austausch und wünsche einen guten Start morgen in die neue Woche und auch bald in den neuen Monat 🙂

Eure Sophie von PsychInfos

200 Abonnenten bei Instagram 🖤

200 Abonnenten hat PsychInfos nun bei Instagram 😊

Vielen lieben Dank an jeden Einzelnen davon und natürlich auch an jeden Einzelnen, der mir bei Facebook folgt oder meine Seite direkt bei WordPress abonniert hat!

Bei Instagram habt ihr nun die Möglichkeit mir im Kommentar zu dem Bild Themenwünsche zu schicken, die ich alle (!) nach und nach dann abarbeite und dazu jeweils Beiträge schreibe. Was interessiert euch? Was wollt ihr wissen? Schreibt mir bei Instagram einen Kommentar unter das Bild, ich freue mich von euch zu lesen und zu lesen, welche Themen euch interessieren 🖤

Hier der Link direkt zum Post:

Eure Sophie von PsychInfos

Niemand ist vorurteilsfrei!

Photo by Markus Spiske on Pexels.com

Jeder Mensch trägt, wie es auch der Pionier der Vorurteilsforschung, Gordon Allport (US-Psychologe) bestätigte, Vorurteile, also vorschnelle Urteile über Andere, fest verankert in sich. Ich vermute meist sogar mehr, als es Demjenigen überhaupt bewusst ist. Denn wenn man mal ganz ehrlich in sich hinein fühlt und seine Gedanken und Gefühle reflektiert, dann merkt man sicherlich, dass da doch einige viele ungeprüfte Beurteilungen über andere Menschen in einem schlummern. Egal ob es sich dabei um Vorurteile gegenüber einer bestimmten Patienten- oder eher Diagnosegruppe (z.B. „die Borderliner“) handelt, um Vorurteile bezüglich einzelner Berufsgruppen (z.B. „Psychologen wollen sich doch nur selbst therapieren“) oder, oder, oder ..

Und der Ursprung dieser unbewussten ‚Vorentscheidungen‘ erfüllt auch durchaus einen sinnvollen Zweck; denn der Mensch als soziale Spezies, die er nun mal ist (auch wenn ich das bei manchen Vorkommnissen, die geschehen, manchmal nur schwer bis gar nicht glauben kann), zeigt ein größeres Vertrauen in die ‚eigene Gruppe‘ als in die ‚fremde Gruppe‘. Hier kann es sich sowohl um eine Berufszugehörigkeit oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie oder auch andere Gruppenzugehörigkeiten handeln.

Beruhend auf diesem Mechanismus entsteht auch Rassismus und daher handelt es sich um ein Thema von hoher Relevanz sowohl für mich persönlich als auch gesamtgesellschaftlich betrachtet.

Im Gehirn konnte bei Experimenten nachgewiesen werden, dass beim Vorzeigen von Bildern einer ‚Fremdgruppe‘ die Amygdala verstärkte aktiviert wurde – diese ist verantwortlich für das Gefühl der Furcht/Angst und somit auch der damit einhergehenden Erwägung eines Fluchtversuchs. Und diese Reaktion ist evolutionär betrachtet auch überlebenswichtig. Bei Fotos der ‚Eigengruppe‘ war hingegen primär der präfrontale Cortex aktiv und fungiert, kurz gesagt, als ‚Dämpfer‘ der Amygdala. Diese Mechanismen laufen in unserem Gehirn ganz automatisch ab und werden dementsprechend auch nicht bewusst wahrgenommen.

Die Konsequenzen von Vorurteilen können sehr unterschiedlich sein und von ’nur‘ gedanklichen Vorurteilen, über heimliche Anfeindungen, bis hin zu Diskriminierungen und körperlichen Angriffen führen.

Neben diesem eher kognitiven Ansatz, muss jedoch auch betont werden, dass aus den bestehenden lerntheoretischen Theorien und daraus resultierenden Experimenten hervorgeht, dass Personen durch ihre Sozialisation oder durch Beobachtung von Gruppenunterschieden, Vorurteile erlernen (Lin, 2018).

Auch wenn Vorurteile demnach zwar wesentlicher Bestandteil unserer Psyche sind, lässt sich dennoch die Tendenz zu Klischees und Stereotypen überwinden und ist meines Erachtens nicht nur wünschenswert, sondern sogar zwingend erforderlich – und das in jeglichen Lebensbereichen! Vielleicht ist der erste Schritt in die richtige Richtung das Wissen über die Mechanismen von Vorurteilen und eine kritische Selbstreflexion, sowie im weiteren Verlauf eine kritische Reflexion und Konfrontation des Umfelds.

Eure Sophie von PsychInfos

Entscheidungen treffen

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Jeden Tag unseres Lebens treffen wir unzählige Entscheidungen, z.B.:

„Was ziehe ich an?“ „Was möchte ich heute Mittag essen?“ „Welchen Film möchte ich schauen?“ „Nehme ich den Aufzug oder die Treppe?“ …

Solche und noch viele weitere Fragen stellen wir uns jeden Tag aufs Neue, teilweise manchmal sogar ohne uns überhaupt darüber bewusst zu sein. Die oben genannten Fragen mögen im Vergleich zu anderen Fragen des Lebens geradezu banal erscheinen.

Blickt man auf die Berufs- oder Studienwahl oder aber auch auf die Partnerwahl, haben dort getroffene Entscheidungen doch viel weitreichendere Konsequenzen als die Tatsache, ob wir heute das weiße oder das schwarze Shirt, aus unserem Kleiderschrank, anziehen.

Jedoch möchte ich nicht, dass durch meinen Beitrag, kleine Entscheidungen des alltäglichen Lebens grundsätzlich für unbedeutend und irrelevant verstanden werden. Denn auch diese, teilweise banal wirkenden und unwichtig scheinenden Entscheidungen, machen teilweise in ihrer Masse gesehen einen doch sehr großen Unterschied. Doch ich möchte in diesem Beitrag eher auf die Schwierigkeiten eingehen, die viele Menschen häufiger bei den ‚großen‘ Entscheidungen haben und darauf, worauf man dabei achten kann.

Zuerst einmal, wo genau liegt eigentlich die Problematik, wenn man sich nicht entscheiden kann? Genau, es gibt zu viele Wahlmöglichkeiten und die Angst sich ‚falsch‘ zu entscheiden und damit etwas ‚alt bewährtes‘ und ’sicheres‘ zu verlieren, kann einen Menschen dann im extremsten Fall, entscheidungsunfähig machen. Also kurz gesagt: Verlustängste! Und dann schiebt man Entscheidungen lieber auf – herzlich Willkommen im Zeitalter der Prokrastination! Mögen wir es doch am Liebsten so lange aufschieben, bis wir uns gar nicht mehr selbst entscheiden müssen, sondern uns durch äußere Einflüsse oder Begebenheiten die Entscheidung abgenommen oder von einer anderen Person getroffen wird, weil wir es uns schlichtweg bisher nicht getraut haben. Nicht getraut haben, die Verantwortung für uns und unsere Entscheidung in voller Konsequenz zu übernehmen, aus zu großer Angst vor einer Fehlentscheidung. Doch genau diese Angst gilt es meines Erachtens nach abzulegen für das eigene, mentale Wohlbefinden. Denn es ist meines Erachtens gesünder zwischendrin mal eine vielleicht nicht so ganz optimale Entscheidung zu treffen und dies im Anschluss korrigieren zu können, als überhaupt keine zu treffen und sich fremdbestimmen zu lassen.

Mag es auch im ersten Moment als sehr angenehm und unkomplizierter erscheinen, dass man selbst keine Entscheidung treffen muss und man doch lieber die Vorgaben des Außen annimmt, ‚wie sie dann eben sind‘. So ist man zumindest nicht gezwungen, sich aus seiner Komfortzone herauszubewegen. Aber der Preis, den wir zahlen, andere Personen oder Umstände entscheiden zu lassen, ist hoch. Welchen Preis ich meine? Unsere Freiheit! Die Freiheit zu entscheiden, welcher Mensch man sein möchte und was man sich für sein Leben vorstellt und dementsprechend zu handeln.

Doch was kann man tun, wenn man sich einer Sache nicht sicher ist und nicht weiß, für welche Person oder welche Sache man sich denn nun entscheiden soll oder eben auch nicht?

Hier ein paar Anregungen, die bei der Entscheidungsfindung helfen können:

  • höre auf deine Intuition
  • mache dich frei von Erwartungen und Vorstellungen anderer Menschen – überlege stattdessen: Was ist MIR wichtig?
  • habe dein längerfristiges Ziel bildlich vor Augen und überlege dir, ob die Entscheidung, die du triffst, dich näher zu deinem inneren Bild bringt oder eher von ihm wegführt
  • triff Entscheidungen nicht in Stresssituationen, sondern in ruhigen Momenten, so vermeidest du impulsive Entscheidungen
  • schlafe darüber und binde somit das Unterbewusste in die Entscheidungsfindung mit ein
  • schreibe eine Pro- und Kontra-Liste, achte jedoch darauf, ob du nicht bereits gezielt mehr Punkte für eine bestimmte Seite suchen möchtest, denn dann ist die Entscheidung für dich innerlich bereits gefallen, auch wenn du es dir bisher noch nicht eingestehen konntest
  • habe keine Angst vor etwas Neuem, denn das lässt dich für ewig in deiner Komfortzone verweilen und verbaut dir viele schöne Erfahrungen
  • schreibe auf, wie sich die jeweiligen Entscheidungen anfühlen, wenn du sie dir gedanklich oder bildlich vorstellst und reflektiere deine Gefühle dabei
  • schiebe Entscheidungen nicht zu lange auf (gib der Prokrastination keine Chance!) , denn sonst besteht die Gefahr, dass du Chancen verpasst, weil die Umstände sich ändern und du so gar keine eigene Entscheidungsmöglichkeit mehr hast

Ich wünsche dir viele gute Entscheidungen für dein Leben,

Sophie von PsychInfos

Sport und seine Wirkung auf die Psyche

Heute möchte ich ein bisschen was Persönliches und aus eigener Erfahrung berichten. Ich war wirklich lange Zeit meines Lebens ein absoluter ‚Sportmuffel‘.  So richtig ‚gepackt‘ hat der Sport mich noch vor gar nicht allzu langer Zeit. Doch ich probierte es ca. einem halben Jahr nochmal auf ein Neues aus und merkte plötzlich in mir eine, durch sportliche Betätigung ausgelöste, Energie und Power, die sich einfach nur toll anfühlte und die ich vorher auch noch nie in dem Ausmaß empfunden hatte. Bei meinen vorherigen, immer wieder aufs Neue abgeschlossenen Verträgen in Fitnessstudios, um dann nach anfänglicher Euphorie doch lieber nicht mehr hinzugehen – und mich stattdessen wieder in meine ‚Komfortzone‘ zu begeben. Vielleicht habt auch ihr damit Erfahrung 😉

Auf jedenfall probierte ich es erneut und ich weiß nicht was nun genau anders war, aber plötzlich spürte ich, wovon ich im Vorfeld schonmal gelesen und gehört hatte auch mal am eigenen Körper, nämlich, dass Sport nicht nur dem Körper an sich, sondern auch der Psyche enorm gut tut. Vielleicht war es einfach diesmal genau der richtige Zeitpunkt in meinem Leben, nach vielen vorangegangenen Veränderungen und Konflikten, für einen neuen Versuch mir einen körperlichen Ausgleich zu suchen. Vielleicht war es auch mein Körpergefühl, welches nun den Unterschied machte. Denn das ist ja doch mit Anfang 30, bereits Mutter, ein anderes, als mit 20 – bei mir auf jedenfall. Ich kann es nicht genau sagen – aber ein Unterschied war plötzlich spürbar!

Ich möchte noch ein bisschen auf die dahintersteckenden Mechanismen eingehen, woran esä konkret liegt, dass Sport auch der Psyche gut tut: Ausdauersport, also aerobe Belastungen, erhöhen die Konzentration verschiedener Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Gehirn.  Außerdem gibt es noch ein sogenanntes ANP (atriale natriuretische Peptid), welches bei körperlicher Belastung im Herzen freigesetzt wird und einen angstlösenden Effekt zeigt.

Es kann jedoch, neben dem rein bio-chemischen Geschehen im Körper auch psychologisch erklärt werden, wieso Sport gut tut. Ermüdungszustände und Widerstände werden durch das Sport treiben überwunden, was wiederum dazu führt, dass das Selbstwertgefühl und somit auch die Stimmung eines Menschen sich verbessert. Man spürt wieder mehr Energie im Körper, ist somit leistungsstärker und so kommt es sozusagen zu einer positiven ‚Aufwärtsspirale‘. Und Sport kann auch ohne tiefere Hintergründe einfach von Gedanken und Grübeleien ablenken, da der Fokus auf dem Körper liegt und somit nicht mehr der Fokus auf negative oder quälende Gedanken gerichtet ist.

Und wenn euch Motivation fehlt: sucht euch eine Freundin oder einen Freund, der euch begleitet oder sucht euch direkt sportliche Aktivitäten aus, die sowieso in Gruppen ausgeführt werden.

Meine letzte Nacht war sehr kurz, ich fühlte mich heute morgen einfach nur müde, schlapp und in vielen unterschiedlichen Gedanken und Emotionen gefangen – doch dann ging es mit einer lieben Freundin zum Sport mit anschließendem Gang auf eine Massageliege, die es in meinem Fitnessstudio gibt und ‚zack‘: ich fühle mich nun voller Energie, Tatendrang und meine Gedanken sind auch wieder etwas sortierter. Und nein, es lag nicht nur an dieser absolut großartigen Massageliege, von der ich bekennender Fan bin 😉

Eure Sophie von PsychInfos

Depression bei Männern – „Ich bin doch kein Weichei!“

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Ein Thema, welches sehr wichtig ist zu betrachten, vor allem unter dem Aspekt der häufiger auftretenden vollendeten Suiziden bei Männern. Insgesamt zählen Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Die WHO (World Health Organization) schätzt die Zahl der Menschen mit Depressionen in Deutschland auf 4,1 Millionen. Daher wird auch von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe völlig zurecht von einer Volkskrankheit gesprochen. Die Dunkelziffer, so wird vermutet, ist allerdings noch weit höher. Depressionen sind die häufigste Ursache für einen Selbstmord, vor allem bei jüngeren Menschen.

Laut dem statistischen Bundesamt nehmen Männer sich deutlich häufiger das Leben als Frauen. Ca. 76% der Suizide wurden von Männern begangen.

Ein Problem sehe ich darin, dass bei Männern jedoch eine Depression seltener erkannt und behandelt wird, da sie sich häufig auch symptomatisch anders darstellen kann, als es bei Frauen der Fall ist. Daher möchte ich in diesem Beitrag gerne etwas genauer die Symptomatik einer ‚männlichen‘ Depression herausstellen, um dafür zu sensibilisieren.

Mögliche Symptome einer Depression bei Männern sind …

  • ausgeprägtes Leistungsdenken und damit einhergehende ‚Fluchten‘ in z.B. Arbeit oder Sport
  • erhöhte Reizbarkeit und aufbrausendes Verhalten
  • Aggression und Wutanfälle
  • Neigung zu Vorwürfen und nachtragendem Verhalten
  • erhöhte Risikobereitschaft (z.B. im Sport und/oder Straßenverkehr)
  • Schlafstörungen
  • vermehrter Alkohol- und Nikotinmissbrauch
  • Suizidgedanken

„Eine depressive Störung zuzugeben oder Hilfe zu suchen, bedeutet im traditionellen Männlichkeitsskript noch immer Status-, Männlichkeits- und Identitätsverlust“ (ÄrzteZeitung, 2018). Das erklärt auch die häufig auftretende Flucht in die Arbeit, den Sport oder auch den Alkohol, um den wahrgenommenen (häufig unbewussten) Verlust von sogenannter „Männlichkeit“ zu kompensieren. Trotz zunehmender Antriebslosigkeit versucht man, seine Aufgaben trotzdem weiter zu erfüllen, auch wenn dies einem immer schwerer fällt und immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. Auch daraus kann sich ein Teufelskreis aus Überbeanspruchung und damit zusätzlichem Stress ergeben. Dies ist den Betroffenen oft nicht bewusst, doch viele gestehen sich nicht ein, dass sie erschöpft, traurig und teilweise ausgebrannt sind. Denn das passt einfach nicht in das traditionelle gesellschaftlichen Männerbild. Und das ist gefährlich!

Alle Menschen sollten dafür sensibilisiert werden, dass Depressionen sicher auch bei Männern genauso oft vorkommen wie bei Frauen, nur dass diese meist noch größere Probleme haben dies zu äußern („Ich bin doch kein Weichei!“) oder sie aufgrund anderer auftretender Symptomatik, wie z.B. vermehrtem Alkoholkonsum häufig auch als „Suchterkrankung“ diagnostiziert wird, hinter der jedoch häufig eine Depression liegen kann. Das Problem dabei ist dann, dass die Suchterkrankung beispielsweise symptomatisch behandelt wird, jedoch Rückfälle wahrscheinlich sind, da das dahinterliegende ursprüngliche ‚Problem‘ gar nicht erst erkannt wird.

Auch wenn andere Symptomatiken zu stark werden, z.B. Schlaflosigkeit, gehen Männer vielleicht zum Arzt, jedoch wird auch hier dann häufig nur symptomatisch behandelt. Daher ist es auch wichtig, dass durch regelmäßige Arztfortbildungen und eine entsprechende Sensibilisierung Fachpersonal entsprechend geschult wird.

Und nein Männer, ihr seid keine „Weicheier“ oder „Sensibelchen“, wenn ihr äußert, dass ihr energie- und kraftlos seid und Ängste und Niedergestimmtheit oder sogar Suizidgedanken mit euch herumtragt! Ganz im Gegenteil, so sehe ich das und ich hoffe auch viele andere Menschen, als unheimliche Stärke an, sich das einzugestehen und dies vertrauten Personen gegenüber zu äußern. Traut euch zu sagen, was ihr fühlt und fühlt euch bitte nicht in eurer ‚Männlichkeit‘ angegriffen, wenn Menschen in eurem Umfeld sich um euch sorgen. Das tun sie, weil sie euch lieben und euch nicht verlieren möchten! Und nicht, um euch eurer ‚Männlichkeit‘ zu berauben!

Eure Sophie von PsychInfos

Quellen:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/Tabellen/suizide.html

Wüstel, Jens-Michael, Männliche Depression, 2018, Beltz-Verlag

Radikale Akzeptanz

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„Es ist, wie es ist.“

Ein Satz, der schnell über die Lippen geht, doch wird er auch wirklich so gefühlt? Ich vermute, dass das Bestreben nach dem Fühlen dieses Satzes zwar immens ist, aber es nur wenige Menschen wirklich schaffen, nach der sogenannten Radikalen Akzeptanz zu leben. Es geht bei der Radikalen Akzeptanz zusammengefasst darum, das Erleben und Erfahren im Hier und Jetzt, inklusive der eigenen Reaktion darauf (!) eben zu akzeptieren, wie es ist. Es stammt aus dem Fertigkeitentraining zur Emotionsregulation von Marsha Linehan (Begründerin der Dialektisch Behavioralen Therapie (DBT) der Borderline-Persönlichkeitsstörung), die jedoch auch selbst Betroffene ist.

Ich denke persönlich, dass es eine der schwierigsten Aufgaben für uns Menschen ist, Dinge anzunehmen, wie sie nunmal sind – ohne sie zu bewerten oder ganz schnell loswerden zu wollen, z.B. den Ärger, den man über eine bestimmte Situation spürt. Es kann sich hier im Alltag um ganz harmlose Dinge handeln, wenn z.B. ein Zug Verspätung hat. Doch Menschen mit psychischen Erkrankungen haben mit wesentlich schwerwiegenderen Verlusten und Dingen zu kämpfen, die den verspäteten Zug doch allzu harmlos erscheinen lassen. Aber jeder weiß, was für ein Ärger auch schon der verspätete Zug in einem bereits schonmal ausgelöst hat oder auch vergleichbare Alltagssituationen.

Und das soll in keinster Weise heißen, dass man jegliches ignorantes oder egoistisches Verhalten von Mitmenschen einfach so annehmen soll, weil es „halt so ist“. Es geht vielmehr um das Erkennen und Annehmen der eigenen Emotionen dabei und dem eigenen Gefühl eine Berechtigung zu geben und es anzunehmen, anstatt es wegdenken oder weg’lösen‘ zu wollen, da wir doch immer allzu lösungsorientiert für jede Situation direkt eine Lösung parat haben wollen. Natürlich ist es schön, wenn es Lösungen gibt, doch in manchen Situationen und Beziehungen gibt es keine eine Lösung und da birgt die Radikale Akzeptanz ein unheimliches Potenzial. Gefühle wahrnehmen, nicht bewerten und einfach da sein lassen. Und bevor man auf etwas reagiert, innerlich einen Schritt zurück gehen und die Situation einfach betrachten, ohne direkt im emotionalen Rausch zu handeln.

Wir können damit bei kleinen Sachen im Alltag anfangen, z.B. wenn wir morgens nach dem Aufstehen feststellen, dass wir keinen Kaffee mehr zu Hause haben (für mich persönlich allerdings auch schon gar keine kleine Sache mehr) oder .. oder .. oder .. es gibt unzählige Beispiele in unserem Alltag, an denen wir die Radikale Akzeptanz erproben können.

Und wenn wir dies im Alltag gut erprobt und ausprobiert haben, klappt es vielleicht mit der Zeit auch bei größeren und schwerwiegenderen Sachen im Leben.

Probiert es für euch aus, wie es euch damit geht, statt eure Gefühle wegdrängen oder direkt weg’lösen‘ zu wollen, sie stattdessen einfach mal so anzunehmen, wie sie nunmal eben sind. Womöglich verflüchtigen sie sich durch die Radikale Akzeptanz wesentlich schneller, als wenn man sie mit der Zeit mit einer ganzen Palette an unterschiedlichen Gefühlen den Tag über ansammelt, bis sie irgendwann aus einem heraus’explodieren‘ und dann womöglich den Menschen treffen, der am wenigsten dafür kann – der einfach nur gerade zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Wenn ihr mögt, schreibt mir gerne, welches Gefühl ihr oft mit euch herumtragt und ihr aber gerne loswerden möchtet. Und probiert doch mal aus, wie es für euch ist, wenn ihr es ganz bewusst mal versucht von ‚außen‘ zu betrachten – einen Schritt zurück geht in jeweiliger Situation – und es einfach annehmt, ohne es zu bewerten.

Und auch ich probiere mich verstärkt damit und kann euch sagen, dass ich es verdammt schwierig finde. Aber auch merke ich, dass es in der letzten Woche mein Leben und mein Befinden doch manches Mal auch schon durchaus positiv beeinflusst hat. Und ich denke, wie vieles, ist auch dies eine Sache, die man üben kann und sogar muss, damit es Effekte zeigt.

Eure Sophie von PsychInfos

„Jetzt reiß dich mal zusammen!“ oder andere Reaktionen auf eine Depression

Nicht nur von Allgemeinärzten werden Depressionen teilweise verharmlost oder auch lange gar nicht erst erkannt – vor allem bei Männern. Depressionen äußern sich bei Männern häufig nämlich ganz anders als bei Frauen, aber dazu wird es einen separaten Beitrag geben, in welchem ich die ‚weibliche Depression‘ mit der ‚männlichen Depression‘ anschaulich vergleichen werde.


„Warten wir erstmal etwas ab, in der dunklen Jahreszeit sind viele Menschen mal schlecht drauf“, bekommt man dann vielleicht in einer Arztpraxis zu hören, nachdem man sich, nach vermutlich langer Zeit, endlich überwunden hat, professionelle Hilfe zu suchen.
Und wahrscheinlich bereut man es in dem Moment direkt wieder und der Zweifel an seiner eigenen Wahrnehmung nimmt sofort wieder zu.


Auch von Bekannten bekommt man vielleicht Sätze zu hören wie „Du depressiv? Wieso das denn? In deinem Leben läuft doch alles gut!“ oder „Reiß dich mal zusammen, anderen geht es viel schlechter als dir!“ – Ja, all das sind Sätze, die die meisten Betroffenen vermutlich schon einmal gehört haben. Und die bewirkt haben, dass sie sich noch mehr schämen, als sie es eh schon tun. Häufig haben Menschen mit Depressionen einen hohen Leistungsdruck und einen stark ausgeprägten sogenannten ‚inneren Kritiker‘ und da sind solche Sätze aus dem Umfeld nicht förderlich!

Manche der Angehörigen sind vielleicht überfordert und wissen spontan nichts darauf zu sagen, aber dann wäre es besser die eigene Unsicherheit zu äußern oder denjenigen einfach nur in den Arm zu nehmen und einfach gar nichts zu sagen. Denn mit derartigen Aussagen macht man den Menschen keinen Mut, sondern bestärkt sie in ihrer sowieso schon gefühlten Unzulänglichkeit nur noch mehr.

Sophie von PsychInfos

Suizidalität

Der Gedanke daran nicht mehr leben zu wollen ist eine allzu menschliche Reaktion auf eine, gefühlt, nicht überwindbare Krise oder Lebenssituation. Auch wenn dies für viele in unserer Gesellschaft nicht verständlich erscheint. Die Zahlen der jährlichen Suizide sprechen für sich. Im Jahr 2018 starben in Deutschland insgesamt 9 396 Personen durch Suizid – das waren über 25 Personen pro Tag (Statistisches Bundesamt, 2020).

Immer mal wieder habe ich, selbst in meinem nahen Bekanntenkreis, Aussagen gehört wie „Jeder, der sich umbringt, ist doch einfach nur feige!“ oder „Wie kann man denn so egoistisch sein?“. Die Gespräche endeten in Diskussionen, die von meinem Gegenüber meist versucht wurden zu beenden mit der Aussage „Da sind wir halt einfach unterschiedlicher Ansicht!“.

Nein, das hat nichts mit irgendeiner Ansicht zu tun, sondern solche Aussagen sind Zeichen dafür, dass Menschen nicht wissen können oder auch nicht wollen, dass andere Menschen so verzweifelt oder schwer erkrankt sein können (meist psychisch), dass sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, als ihr Leben eigenmächtig zu beenden und, dass es sich in den meisten Fällen nicht um eine unüberlegte impulshafte Entscheidung handelt, sondern über die oft lange nachgedacht wurde. Und meist ist die Wahrnehmung der Betroffenen noch so verzerrt, dass sie ernsthaft denken ihrer Familie und ihrem Umfeld mit ihrem Suizid einen Gefallen tun und sie dann endlich keine „Belastung“ mehr für Andere sind – von egoistischem Handeln kann da meines Erachtens absolut keine Rede sein!

Wir dürfen uns der Thematik nicht verschließen und sie tabuisieren – betroffene Menschen mit Suizidgedanken nicht verurteilen, sondern ihnen Aufmerksamkeit schenken und sie wahrnehmen – und uns nicht auf unsere Hoffnung verlassen, „dass sie sich schon nichts antun werden“.

Ich möchte nicht sagen, dass jeder Suizid verhindert werden kann, aber ich bin mir sicher, dass es weit weniger Suizide geben würde, wenn die Verurteilung und Stigmatisierung in unserer Gesellschaft gänzlich aufhören würde, so dass die Menschen sich trauen ihre Gefühle und Gedanken anzusprechen und sich zu öffnen. Ansonsten kommt es zu der Negativspirale, wie auch in meinem letzten Beitrag schon beschrieben und der Rückzug verstärkt sich und damit auch oft die Verzweiflung und gefühlte Auswegslosigkeit.

Sophie von PsychInfos

Was du für die Entstigmatisierung psychischer Krankheiten tun kannst

Im übertragenen Sinne bedeutet Stigma, dass ein bestimmtes Merkmal (z.B. Depression) mit einer negativen Eigenschaft (z.B. faul sein) oder aber einem Vorurteil verknüpft wird. Es gibt verschiedene Arten von Stigmatisierungen, auf welche ich nun aber aufgrund der Übersichtlichkeit nicht eingehen werde.

Sehr wichtig ist es mir aber darauf aufmerksam zu machen, dass jegliche Stigmatisierung vom Umfeld dazu führen kann, dass früher oder später die betroffene Person die Annahmen aus dem Umfeld übernimmt und es somit zu einer Selbststigmatisierung kommt.

Das erhöht den sowieso schon vorhandenen Leidensdruck im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung nochmal zusätzlich. Generell wirken sich Stigmatisierungen, egal welcher Art, negativ auf das Selbstwertgefühl aus und häufig führt dies in eine Negativspirale und einen Teufelskreislauf aus Selbstentwertung, Scham und Angst vor zusätzlicher Verurteilung durch Andere, wo man sich doch selbst oft schon verurteilt.

Und getrieben von dieser Angst, suchen Betroffene sich oft keine professionelle Unterstützung und die Symptome verschlechtern sich zunehmend. Die Verschlechterung der Symptome kann zu vermehrtem Rückzug entweder der Freunde und Bekannten oder des Betroffenen selbst führen und so geht es weiter und tiefer in den dunklen Sog.

Sind Menschen nicht bedeutend mehr als eine Diagnose oder noch spezieller eines ICD-10-Codes?

Was also kann jeder konkret für eine Entstigmatisierung psychischer Krankheiten tun?

Selbstreflexion: sich selbst bewusst werden, über eigene Vorurteile, mit denen man Menschen begegnet; denn niemand, auch kein Therapeut, ist von Vorurteilen gänzlich frei; nur sollte man sie sich bewusst machen, um sie dadurch zu entkräften und bestenfalls gänzlich ablegen zu können

– Kommunizieren: wenn euch in irgendwelcher Art von Medien Stigmatisierungen auffallen, schreibt das entsprechende Medium (z.B. Social-Media-Plattformen, Zeitungen, etc.) doch einfach an und benennt eure Wahrnehmung; manchen Menschen ist es vielleicht selbst gar nicht bewusst. Ebenso bei Freunden oder der Familie oder dem Partner: benennt es!

– Aufklärung/Infomaterial: informiert euch und euer Umfeld über bestimmte Erkrankungen. Lieber informieren statt uninformiert zu urteilen und zu verurteilen.

Das Thema Stigmatisierung psychischer Erkrankungen ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit, denn ich habe in den letzten 10 Jahren sehr viele Menschen kennengelernt, sowohl in meinem privaten als auch in meinem beruflichen Umfeld, die sich aus Angst vor Stigmatisierung entweder viel zu spät oder gar keine Unterstützung gesucht haben und teilweise resultierten daraus unnötig lange Krankheitsverläufe oder es kam zu noch schwerwiegenderen Folgen.

Liebe Grüße,

Sophie von PsychInfos