Umgang mit Ängsten

Ein guter Studienfreund bat mich bereits vor längerer Zeit darum, einen Beitrag zum Umgang mit Ängsten zu schreiben. Das Thema ‚Angst‘ ist ein sehr komplexes Thema mit sehr vielen Facetten und möglichen Ansätzen und Herangehensweisen.

Da mir diese Bitte aber nun im Kontakt mit ihm vor einigen Tagen wieder eingefallen ist, möchte ich zumindest einen kurzen Beitrag zu dem Thema schreiben und ihm meinem lieben Studienfreund widmen und mich dafür entschuldigen, dass er nun solange darauf warten musste.

Angst: jeder kennt sie. Ist sie doch auch eine sehr positive und evolutionär gesehen absolut notwendige und überlebenswichtige Funktion unseres Körpers. Und nicht nur das – sie ist auch eine der 7 Basisemotionen des Menschen laut Paul Ekman (Anthropologe). Jeder kam irgendwann schonmal in seinem Leben mit Angst in Berührung, hat gespürt wie der Puls sich beschleunigt und die Körpertemperatur sich erhöht – und man vielleicht begann zu schwitzen. Manch anderer hat vielleicht ein kräftiges Ziehen im Bauchraum feststellen können bei einem aufkommenden Angstgefühl oder ähnliche Empfindungen. Die Symptome von Ängsten variieren ebenso stark wie die Intensität des Angstgefühls.

Ist die Angst doch so wichtig und essentiell, bereitet sie einigen Menschen jedoch auch starke Probleme im Alltag, z.B. wenn diese unter spezifischen Ängsten vor bestimmten Dingen oder Situationen leiden. Jedoch kann die Angst auch nicht nur in speziellen Situationen in dem Leben der Menschen eine Rolle spielen, sondern sie begleitet sie, wo immer sie sich auch befinden und was sie auch tun. Hier gibt es starke interindividuelle Unterschiede im Ausmaß der Symptomatik und der Intensität. Das Gefühl der Angst existiert jedoch in jedem der Fälle.

Wie geht man mit Ängsten, im allgemeinen Sinne, nun um? Ohne hier auf spezifische Ängste einzugehen, möchte ich hier nur einen groben Überblick über den Umgang mit Angst geben. Über spezifische Ängste könnte man in kommenden Beiträgen differenzierter und tiefgängiger eingehen.

Hier ein paar Tips, wie man mit Ängsten im Allgemeinen umgehen kann:

Akzeptiere die Angst
Das mag erstmal etwas komisch klingen, doch ein Wahrnehmen und Annehmen führt zu einem Akzeptieren der Angst. Akzeptieren, dass die Angst da ist. Zum Einen aus dem Grund, dass wenn man sie nicht akzeptierst und annimmt nochmal mehr körperliche und geistige Energie aufgewandt werden muss, um sie zu versuchen zu unterdrücken (was auf lange Sicht den Körper so erschöpft, dass die Angst Oberhand gewinnt). Und ohne Akzeptanz ergibt sich nicht die Möglichkeit, Gefühle auch loslassen zu können. Bevor Gefühle losgelassen werden können, beanspruchen sie erstmal überhaupt wahrgenommen und angenommen zu werden.

Versuche die Situation anders zu interpretieren
Wenn wir uns mal bewusst werden, was uns eigentlich meistens Angst macht, ist es weniger die Situation an sich, sondern unsere Interpretation der Situation und unsere inneren Gedanken dazu. Wenn dir dies bewusst ist (am besten schon bevor du in die angstbesetzte Situation hineingehst, sofern du das im Voraus weißt), kannst du dies nutzen und versuchen die Situation quasi ‚umzuinterpretieren‘.

Bewusste und tiefe Atmung
Wenn wir Angst haben, atmen wir häufig schneller, u.a. durch die Gefäßverengung und durch die Erhöhung unseres Herzschlages. Versuche bewusst dagegen zu steuern durch eine tiefe und bewusste Atmung. Dies signalisiert allein auf körperlicher Ebene bereits dem Körper, dass keine Angst nötig ist und man nicht gleich vor einer Gefahr flüchten muss.

Entspannungsmethoden erlernen
Dies könnten z.B. sein Yoga, Tai-Chi, progressive Muskelrelaxation.

Meditieren
Also so gesehen, vom ‚Außen‘ ins ‚Innere‘ kommen, in das Bewusstsein, dass im ‚Inneren‘ ein jederzeit sicherer Ort ist, der durch ein bisschen Übung völlig unbeeindruckt vom ‚Außen‘ und der dort herrschenden Angst existiert.

Rede oder schreibe über deine Ängste
So bekommen die Gefühle der Angst etwas rationales und nicht mehr so stark emotionales. Durch das verbale Ausdrücken oder das Aufschreiben kann es gut sein, dass auch bei dir die Emotion in die Ratio (lat. Vernunft) übergeht.

Dies sind erstmal nur ein paar Impulse wie man mit Ängsten im ganz allgemeinen Sinn erstmal lernen kann, mit Ihnen besser umzugehen. Das hängt aber natürlich sehr von der Intensität der Angst ab und es sollte individuell geschaut werden, ob nicht auch zusätzlich professionelle oder medizinische Unterstützung sowohl beim Umgang mit Angst als auch der Angstbewältigung notwendig ist.

In diesem Sinne: gebt euren Ängsten keine alleinige Macht über euer Leben und eure Handlungen! Und lasst sie euch nicht von euren Träumen und Vorstellungen abhalten 🖤

Eure Sophie von PsychInfos

Lebenskrisen

Jede Krise im Leben, egal welchen Lebensbereich sie auch betrifft, raubt unheimlich viel Energie und Kraft. Manchmal überkommt einen in der Zeit das Gefühl der Machtlosigkeit und das Gefühl, dass man aus dieser krisenhaften Situation niemals unbeschadet herauskommt. Manchmal zweifelt man sein gesamtes bisheriges Leben mit allen, bis hierher getroffenen, Entscheidungen an.

Relativ sicher geht man auch nicht ganz unverwundet aus diesen Lebenskrisen hervor, aber die Wunden können versorgt werden und so mit der Zeit auch heilen.

Jede Krise rüttelt uns einmal ordentlich auf und durch. Gerade durch dieses ‚Durchrütteln‘ gewinnt man vielleicht neue Klarheit, ein anderes Bewusstsein für die Dinge und gelangt auch durch eine, neu eingenommene Perspektive, zu anderen Ansichten. Hierdurch kann inneres Wachstum passieren und man geht demnach mit einem ‚Mehr‘ aus einer Krise hervor.

Auch wenn man das ‚innere Wachstum‘ auch meist erst nach der Krise wirklich bewusst wahrnimmt und spürt – so kann man mit einigem Abstand dann auch wahrnehmen, dass man durch die Krise an Stärke gewonnen, und nicht verloren hat. Man gewinnt hierdurch an Widerstandskraft und Beständigkeit im Leben. Manchmal zeigt einem solch eine Phase noch deutlicher, was man im Leben will und was eher nicht. Welche Mensch man aktuell ist und welcher Mensch man anstrebt zu sein.

Wir sind nicht schwach, wenn wir in einer Krise sind und uns hilflos und machtlos fühlen. Auch wenn wir das häufig so empfinden und auch glauben, dass andere uns als schwach wahrnehmen müssten. Wir alle wissen aber auch, dass wir oft Dinge glauben oder vermuten, die letzten Endes gar nicht der Wahrheit und Realität entsprechen. Und wir wissen auch, dass wir im Selbstgericht mit uns wesentlich härter sind, als wir es mit den Menschen um uns herum sind oder jemals wären.

Ein Weitergehen mit optimistischem und einem nach vorne gerichtetem Blick, so schwer die Umstände auch manchmal zu sein scheinen, erfordert unglaublich viel Stärke und Mut. Das können wir nur meist erst mit etwas zeitlichem Abstand anerkennen.

Wir alle haben sie aber in uns – diese Stärke – sie muss nur offengelegt und damit sichtbar gemacht werden. Dadurch, dass man alte und fest verankerte Glaubenssätze und auch Ängste beginnt loszulassen und lernt wieder Vertrauen zu fassen. Vertrauen zu fassen – sowohl in sich Selbst als auch in andere Menschen.

Wachstum erfordert Loslassen und Loslassen erfordert Vertrauen!

Eure Sophie von PsychInfos

Selbstliebe durch Veränderung

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Wenn man das Vertrauen und die Liebe in sich selbst verloren hat, kommt man oft gefühlt nicht mehr vorwärts im Leben. Es folgt ein Stillstand, der sich auf Dauer auch auf die mentale Gesundheit auswirkt und sogar zu schweren psychischen Erkrankungen führen kann.

Man hat das Gefühl festzustecken; in einem Sumpf aus Ängsten, Zweifeln und fehlender Liebe sich selbst Gegenüber. Man merkt, dass es dringend an der Zeit ist diesen Sumpf zu verlassen und weiterzugehen, bevor man gänzlich darin versinkt. Das bedeutet manchmal, dass man manche Menschen und/oder alte Gewohnheiten und Denkweisen loslassen muss, die einen fest in diesem Sumpf festhalten und einen sich nicht weiterentwickeln und vorankommen lassen. Doch für solche Entscheidungen, die sehr viel Mut erfordern, benötigt es auf jedenfall eines ganz zwingend: Selbstliebe! Doch was ist das überhaupt?

Selbstliebe ist die allumfassende Annahme seiner selbst in Form von uneingeschränkter Liebe zu sich selbst. Der Begriff wird häufig synonym verwendet für Begriffe wie Selbstvertrauen und Selbstwert, ist jedoch nur sinnverwandt zu diesen Begriffen.

Wir sollten die Beziehung zu uns selbst als Fundament für alles andere in unserem Leben ansehen – und ja, es ist eine Herausforderung! Doch für gute und gesunde Partnerschaften insgesamt und ein zufriedenes Leben sollten wir uns dieser Herausforderung stellen – und lernen uns anzunehmen, auszuhalten, genießen und – ja genau, uns lieben zu lernen. Doch sich dieser Herausforderung überhaupt stellen zu können, bedeutet, dass wir auch bereit sein müssen, Veränderung zuzulassen. Veränderung ist nie leicht und teilweise auch sehr schmerzhaft, denn vielleicht verändern sich auch bereits bestehende Beziehungen zu Menschen, die man liebt. Auch wenn es eigenartig klingt, aber die Bereitschaft zur Veränderung ist ein wichtiger Schritt zur Selbstliebe. Denn Liebe hat immer (!) etwas damit zu tun, sich auf eine Veränderung in seinem Leben einzulassen und zu vertrauen, dass alles gut wird.

Ich wünsche euch viel Liebe ❤

Eure Sophie von Psychinfos

Literatur:

Lehofer, Michael (2017): Mit mir Sein – Selbstliebe als Basis für Begegnung und Beziehung, Wien: braumüller

Pelzmann, Sabine (2018): In meinem Ich: Wege zur Selbstliebe, Carl Ueberreuter Verlag GmbH

Entscheidungen treffen

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Jeden Tag unseres Lebens treffen wir unzählige Entscheidungen, z.B.:

„Was ziehe ich an?“ „Was möchte ich heute Mittag essen?“ „Welchen Film möchte ich schauen?“ „Nehme ich den Aufzug oder die Treppe?“ …

Solche und noch viele weitere Fragen stellen wir uns jeden Tag aufs Neue, teilweise manchmal sogar ohne uns überhaupt darüber bewusst zu sein. Die oben genannten Fragen mögen im Vergleich zu anderen Fragen des Lebens geradezu banal erscheinen.

Blickt man auf die Berufs- oder Studienwahl oder aber auch auf die Partnerwahl, haben dort getroffene Entscheidungen doch viel weitreichendere Konsequenzen als die Tatsache, ob wir heute das weiße oder das schwarze Shirt, aus unserem Kleiderschrank, anziehen.

Jedoch möchte ich nicht, dass durch meinen Beitrag, kleine Entscheidungen des alltäglichen Lebens grundsätzlich für unbedeutend und irrelevant verstanden werden. Denn auch diese, teilweise banal wirkenden und unwichtig scheinenden Entscheidungen, machen teilweise in ihrer Masse gesehen einen doch sehr großen Unterschied. Doch ich möchte in diesem Beitrag eher auf die Schwierigkeiten eingehen, die viele Menschen häufiger bei den ‚großen‘ Entscheidungen haben und darauf, worauf man dabei achten kann.

Zuerst einmal, wo genau liegt eigentlich die Problematik, wenn man sich nicht entscheiden kann? Genau, es gibt zu viele Wahlmöglichkeiten und die Angst sich ‚falsch‘ zu entscheiden und damit etwas ‚alt bewährtes‘ und ’sicheres‘ zu verlieren, kann einen Menschen dann im extremsten Fall, entscheidungsunfähig machen. Also kurz gesagt: Verlustängste! Und dann schiebt man Entscheidungen lieber auf – herzlich Willkommen im Zeitalter der Prokrastination! Mögen wir es doch am Liebsten so lange aufschieben, bis wir uns gar nicht mehr selbst entscheiden müssen, sondern uns durch äußere Einflüsse oder Begebenheiten die Entscheidung abgenommen oder von einer anderen Person getroffen wird, weil wir es uns schlichtweg bisher nicht getraut haben. Nicht getraut haben, die Verantwortung für uns und unsere Entscheidung in voller Konsequenz zu übernehmen, aus zu großer Angst vor einer Fehlentscheidung. Doch genau diese Angst gilt es meines Erachtens nach abzulegen für das eigene, mentale Wohlbefinden. Denn es ist meines Erachtens gesünder zwischendrin mal eine vielleicht nicht so ganz optimale Entscheidung zu treffen und dies im Anschluss korrigieren zu können, als überhaupt keine zu treffen und sich fremdbestimmen zu lassen.

Mag es auch im ersten Moment als sehr angenehm und unkomplizierter erscheinen, dass man selbst keine Entscheidung treffen muss und man doch lieber die Vorgaben des Außen annimmt, ‚wie sie dann eben sind‘. So ist man zumindest nicht gezwungen, sich aus seiner Komfortzone herauszubewegen. Aber der Preis, den wir zahlen, andere Personen oder Umstände entscheiden zu lassen, ist hoch. Welchen Preis ich meine? Unsere Freiheit! Die Freiheit zu entscheiden, welcher Mensch man sein möchte und was man sich für sein Leben vorstellt und dementsprechend zu handeln.

Doch was kann man tun, wenn man sich einer Sache nicht sicher ist und nicht weiß, für welche Person oder welche Sache man sich denn nun entscheiden soll oder eben auch nicht?

Hier ein paar Anregungen, die bei der Entscheidungsfindung helfen können:

  • höre auf deine Intuition
  • mache dich frei von Erwartungen und Vorstellungen anderer Menschen – überlege stattdessen: Was ist MIR wichtig?
  • habe dein längerfristiges Ziel bildlich vor Augen und überlege dir, ob die Entscheidung, die du triffst, dich näher zu deinem inneren Bild bringt oder eher von ihm wegführt
  • triff Entscheidungen nicht in Stresssituationen, sondern in ruhigen Momenten, so vermeidest du impulsive Entscheidungen
  • schlafe darüber und binde somit das Unterbewusste in die Entscheidungsfindung mit ein
  • schreibe eine Pro- und Kontra-Liste, achte jedoch darauf, ob du nicht bereits gezielt mehr Punkte für eine bestimmte Seite suchen möchtest, denn dann ist die Entscheidung für dich innerlich bereits gefallen, auch wenn du es dir bisher noch nicht eingestehen konntest
  • habe keine Angst vor etwas Neuem, denn das lässt dich für ewig in deiner Komfortzone verweilen und verbaut dir viele schöne Erfahrungen
  • schreibe auf, wie sich die jeweiligen Entscheidungen anfühlen, wenn du sie dir gedanklich oder bildlich vorstellst und reflektiere deine Gefühle dabei
  • schiebe Entscheidungen nicht zu lange auf (gib der Prokrastination keine Chance!) , denn sonst besteht die Gefahr, dass du Chancen verpasst, weil die Umstände sich ändern und du so gar keine eigene Entscheidungsmöglichkeit mehr hast

Ich wünsche dir viele gute Entscheidungen für dein Leben,

Sophie von PsychInfos